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Mumbai

Am 6.10 war es endlich soweit, die Fahrt nach Mumbai stand an. Es war ein sehr aufregender Tag, da es unsicher war, ob unser Zug überhaupt starten kann, da während der letzten Tage in einigen Bundesstaaten durch den Monsun Teile der Bahnstrecke unter Wasser standen oder weggespült wurden. Der Zug sollte um 10:45 Uhr starten und als wir dann endlich um 9:00 am Bahnhof ankamen erfuhren wir, dass der Zug fahren wird, aber erst um 16:00 Uhr nachmittags. Die Zeit verging sehr langsam bis es endlich losging; wir trieben uns am Bahnhof rum, waren essen und haben Lebensmittel für die Fahrt besorgt. Und dann war es endlich soweit! Punkt 16:00 Uhr rollte der Chennai-Mumbai-Express endlich los und eine Reise quer durch den indischen Subkontinent mit ungewisser Reisedauer konnte beginnen. Bhavna, Jai, Ishani, Prathyush und ich hatten eine Kabine in der ersten Klasse mit Klimaanlage und bequemen Betten und erstaunlicher Weise war es gar nicht so schmutzig, wie ich das befürchtet habe. Während unserer Fahrt habe ich wieder 1000 neue Eindrücke über Indien sammeln können. Wir sind durch Bananenplantagen gefahren, durchquerten gleich vier indische Bundesstaten: Tamil Nadu, Andhra Pradesh, Karnataka und Maharashtra, riesige Reisfelder, Dörfer, Papageienschare, Bauernhöfe, fuhren über den Krishna Fluss. An einigen Bahnhöfen saßen Affen, die nach Futter Ausschau hielten und Kamele, die riesige Säcke gefüllt mir Reis und anderen Gütern transportierten. Die Landschaft war auch atemberaubend, wir fuhren durch Gebirge, tropische Wäldern, Sümpfe, kahle Felder, Täler und auch den Dschungel. 


Leider hatte unser Zug, dann nochmal 11 Stunden Verspätung und am 8.10 um 2:30 Uhr in der Nacht kamen wir dann endlich erschöpft und nach 35 (!) Stunden Zugfahrt in Mumbai an. Bhavna fuhr zu ihrer Tante und auch Ishani ging zu ihrer Großmutter. Jai, Prat und ich haben uns auf dem Weg gemacht um ein Motel/Lodge zu finden, wo wir zumindest den Rest der Nacht verbringen konnten. Leider habe ich als Tourist in keinem Motel einchecken können, solange ich mich nicht an einer Polizeistation erst registriert habe. Unglücklicherweise habe ich mein Pass zuhause gelassen, da ich kein Risiko eingehen wollte es zu verlieren. Mir blieb dann leider nichts anderes übrig als auch zu Ishanis Großeltern zu gehen. Um 4 Uhr morgen kam ich dann endlich zum Schlaf. Na gut viel habe ich zwar nicht geschlafen, aber wer will schon schlafen wenn man schon im Mumbai ist?!

Nach einem wirklich guten indischen Frühstück machte ich mich mit Ishani auf dem Weg die anderen am Bahnhof zu treffen. Wir haben in Thane gewohnt, das ist etwa 30 min. vom Stadtzentrum entfernt.

Mumbai ist mit über 20 Millionen Einwohnern die fünft größte Stadt der Welt und gleichzeitig die größte Stadt Indiens. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes und wird auch als Hollywood Asiens genannt. Mumbai ist auch besser bekannt als New York von Indien mit atemberaubender Skyline. Für mich war Mumbai eine Stadt der krassen Gegensätze, auf der einen Seite hat man die riesigen luxuriösen Hotels, Geschäfte wie Gucci, Versace oder Louis Vuitton und auf der anderen Seite hunderte von Slums um die Metropolregion sowie Kinder die halbnackt mitten im Verkehr rumlaufen und bei den Autofahrern betteln und auf den Straßen schlafen.



Unsere Reise begann am Mumbai Central Station (hier wurde übrigens die Schlussszene von Slumdog Millionär gedreht, wo sie am Ende am Bahnhof tanzen), von wo wir mit dem Bus nach Colaba gefahren sind. Colaba ist vor allem für die vielen Stände mit Schmuck, Schuhen, indischen Klamotten… bekannt und bei Touristen sehr beliebt. Das einzige was man nicht vergessen darf ist zu Handeln. Das hatte ich schnell raus und handelte wie ein Weltmeister! Nach einigen Stunden und mit einigen 1000 Rupie weniger in der Tasche ging es dann auf zum Gateway of India (Das Tor zu Indien), das 1911 zur Erinnerung an den Besuch des König Georg V mit seiner Frau erbaut wurde und von hier verließen am 28.02.1948 die letzten britischen Truppen das unabhängig gewordene Indien. Danach fuhren wir noch nach Bandra, wo wir nochmal auf eine Shoppingtour gingen. Am Abend suchten sich Jai und Bhavna eine Unterkunft in einer Lodge und Prat und ich waren quasi gezwungen in ein Hotel zu gehen. Wir checkten in ein drei Sterne Hotel in Thane ein, wo das Doppelzimmer mit Frühstück 25 Euro pro Person gekostet hat! Und nach sieben Wochen kalt duschen, konnte ich mal wieder eine heiße Dusche nehmen. Ich hatte schon total vergessen gehabt wie schön das ist. 


Am nächsten morgen ging es dann auf die Konferenz bezüglich des Themas Fundraising für NGO’s (Geldbeschaffung für Nichtregierungsorganisationen). Natürlich haben Prat und ich erstmal verschlafen und dann stand auch noch die chaotische und Anfahrt nach Andheri an. Mit der S-Bahn zu fahren ist die reinste Quälerei. Man hat kaum Luft zum atmen, es ist heiß, stickig und es riecht auch noch übel. Abenteuerlicher ist aber das Ein- und Aussteigen. Man muss sich eigentlich gar nicht fortbewegen, man wird einfach von der Masse mitgerissen, wie die wilden Tiere stürmen die Menschen rein und raus und es scheint denen auch noch Spaß zu machen! Nach Türen sucht man übrigens vergeblich…

Die zweitägige Konferenz war sehr interessant, wir haben unter anderem viel über Marketing, Filmedrehen und Broschürengestaltung gelernt und nebenbei auch noch viel über die Arbeit anderer NGO’s erfahren. Es waren ungefähr 40 Teilnehmer aus England, Österreich und aus allen Teilen Indiens anwesend. Nach der Veranstaltung sind wir nach Colaba gefahren, da ich meine Kaufsucht nochmal in vollen Zügen ausleben konnte. Den Abend verbrachten wir dann mit Pizzaessen am Marine Drive, das als „Queen's Necklace – Halsband der Königin“ bezeichnet wird. Es war eine unglaubliche Aussicht auf die Skyline von Mumbai.


Die Heimfahrt erwies sich dann nochmal als ziemlich abenteuerlich. Zum Glück war die S-Bahn total leer, aber dafür hatten wir einen nicht besonders guten Rikschafahrer erwischt. Es waren eigentlich zwei junge Männer, ungefähr 23 Jahre alt, sehr stylisch gekleidet und total durch den Wind. Ich dachte echt ich sterbe. Wir sind ca. mit 120 km/h durch Schlaglöcher gefahren, die so tief sind wie der Starnberger See und sich anstatt auf die Straße zu konzentrieren haben die Mädls nachgepfiffen und wir haben fast eine Frau überfahren, ungefähr 5 cm haben gefehlt. Gott sei Dank wurden dann meine Gebete erhört und auf einmal kam dichter Verkehr auf und wir waren gerettet.

Der Samstag (dritter Tag) war dann auch schon leider unser letzter Tag in „amazing Mumbai“. Tagsüber waren wir auf der Konferenz und danach kamen dann erst die Komplikationen. Prat ist zu Ishani gefahren um sie abzuholen und ich bin mit Jai und Bhavna nach Dadar gefahren wo unser Zug zurück nach Chennai starten sollte um unser Gepäck einzusperren. Danach sollten wir nochmal zurück nach Marine Drive, da ich den Sonnenuntergang erleben wollte. Doch dann ist Jai auf einmal verschwunden, wir fanden ihn zwar wieder, aber Bhavna war total sauer und dann gab es Streit. Ich selbst hatte dann die Schnauze voll, da beide sich weigerten mich zu begleiten, so sprang ich einfach auf die nächste S-Bahn auf und fuhr zurück zum Churchgate, von wo ich an das nördliche Ende des Marine Drives gelang. Die anderen können echt traurig sein, dass sie den Sonnenuntergang verpasst haben. Es war unglaublich schön! Ich spazierte die ganze Straße herunter, bis ich am südlichem Ende ankam. Leider drängte mich die Zeit, da unser Zug um 20:30 Mumbai verlassen sollte und so nahm ich ein Taxi, das mich zum Mumbai Central zurückbrachte. Die Fahrt dauerte ungefähr 20 min. und ich zahlte ganze 80 Cent für die Fahrt. 


In Dadar wieder angekommen traf ich dann die anderen. Unglücklicherweise hat es sich dann herausgestellt, dass unser Zug ganze acht Stunden Verspätung haben wird und wir erst um 4:00 Uhr in der Früh Mumbai verlassen können. Wir haben nicht lange überlegt und sind zurück zum Marine Drive gefahren uns eine Pizza geholt und die ganze Nacht dort verbracht und nochmal die wahnsinnige Aussicht genossen. 24 Stunden ohne Schlaf, müde und erschöpft traten wir dann unsere Reise nach Chennai an. Leider haben wir keine Fahrkarten mehr für die erste Klasse bekommen und waren daher gezwungen zweite zu fahren. Viel möchte ich dazu nicht sagen, zwar sind keine Hühner rumgelaufen, aber dafür war es einfach nur unglaublich dreckig und eklig und wir saßen alle verstreut im Wagon und ich wollte nur, dass dieser Albtraum endlich vorbei ist. Wie schon erwartet kamen wir natürlich wieder mit Verspätung am 12.10 um 9 Uhr in Chennai an, nach „nur“ 25 Stunden Fahrt. 

Alles in allen war es aber eine super aufregende, tolle, atemberaubende, unglaublich geile Zeit in Mumbai und ich bin mir sicher, dass ich nicht zum ersten und letztem mal in dieser Stadt war.

13.10.09 19:52

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